Dr. med. Johannes Ammon

Furosemid - wie schnell darf man das injizieren?

Furosemid ist ototoxisch und kann in hoher Dosierung und zu schneller Gabe Taubheit verursachen. Das ist allgemein bekannt, aber was bedeutet das in der Praxis?

Eine einfache Antwort gibt ein Blick in die Fachinformation. Hier steht, dass Furosemid langsam injiziert werden muss und zwar nicht schneller als 4 mg pro Minute. Das ergibt für eine 20 mg-Ampulle eine Injektionsdauer von 5 Minuten, 40 mg in 10 Minuten und so weiter. Bei Patienten mit fortgeschrittener Niereninsuffizienz wird sogar eine noch langsamere Injektion mit 2,5 mg pro Minute empfohlen.
Ich kann sagen, dass ich eine so langsame Injektion im Alltag nicht in jedem Fall gesehen habe.

Datenlage

Um das Problem etwas klarer einschätzen zu können, habe ich nach veröffentlichten Daten über die Häufigkeit von Ototoxizität nach Furosemidgabe gesucht. Viel habe ich nicht gefunden. Es gibt detaillierte Untersuchungen über den Mechanismus der Cochlea-Schädigung bei Mensch und Tier, aber nur wenig über die zahlenmäßige Dimension des Problems im Therapiealltag.

Eine Studie von 1996 verglich die Bolusgabe mit in der kontinuierlichen Gabe von Furosemid bei dekompensierter Herzinsuffizienz [1]. Hier wurden bei 20 Patienten mit Herzinsuffizienz Dosen zwischen 250 und 2000 mg (!!) Furosemid einmal als Bolus in 5 min und an einem anderen Tag als kontinuierliche Infusion über 8 Stunden gegeben. Das heißt bei der schnellen Applikation wurden 50 bis 400 mg Furosemid pro Minute gegeben. Bei Bolusgabe trat bei fünf Patienten ein Hörverlust auf, immerhin ein Viertel der Patienten, der sich aber bei allen innerhalb von 15 Minuten zurückbildete.

Die zweite interessante Arbeit war ein Bericht der FDA über Meldungen von Furosemidnebenwirkungen von 1979 [2]. Von 878 Meldungen über Furosemid berichteten 29 über Taubheit, davon 17 nach i.v.-Anwendung, 12 nach oraler Gabe von Furosemid. Die i.v.-Dosierungen reichten bis zu 3000 mg, aber drei dieser Meldungen berichteten über vorübergehende Taubheit nach nur 40 oder 80 mg i.v. In der Regel war der Hörverlust vorübergehend und dauert ½ bis 24 Stunden.

Da es sich um Einzelfallmeldungen handelt, kann man daraus keine Statistik machen. Auch ist nicht sicher, ob die Furosemidgabe in jedem Fall die Ursache der Taubheit war.

Dennoch werden drei Faktoren genannt, die das Risiko anscheinend erhöhen: Niereninsuffizienz, intravenöse Gabe von Furosemid und die Kombination mit anderen ototoxischen Substanzen (v.a. Aminoglykoside).

Schlussfolgerung

Bei Dosierungen bis 40 mg Furosemid i.v. scheint die übliche Praxis bis auf seltene Ausnahmen sicher zu sein. Aber wenn die Dosis höher liegt, sollte Furosemid kontinuierlich gegeben werden, entweder als Kurzinfusion in 50 ml NaCl oder auch in einem Perfusor.

Literatur

[1] T.P.J. Dormans et al.: Diuretic efficacy of high dose furosemide in severe heart failure: Bolus injection versus continuous infusion. J Am Coll Cardiol 1996; 28: 376-82. doi:10.1016/0735-1097(96)00161-1

[2] Gallagher, K. L. (1979). Furosemide-Induced Ototoxicity. Annals of Internal Medicine, 91(5), 744. doi:10.7326/0003-4819-91-5-744

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